Die späte Alarmierung über UA 175

Debunking 9/11 Debunking

Die Entdeckung etlicher „Anomalien“ der „offiziellen Version“ geht auf David Ray Griffin zurück. Griffin, emeritierter Theologe, den man “als `Denker´ der Wahrheitsbewegung ansehen [kann]” (Klöckner, 9/11, S. 23), setzt sich hierbei nicht nur mit „Anomalien“ auseinander, sondern untersucht auch „offizielle“ Erklärungsversuche dieser Anomalien. Das ambitionierteste Unterfangen diesbezüglich unternimmt das Buch Debunking 9/11 Debunking, welches sich explizit gegen diese „offiziellen“ Erklärungen richtet.

Debunking 9/11 Debunking behandelt gut ein Viertel seiner 400-seitigen Länge Fragestellungen der Flugabwehr und ist in diesem Themenfeld ein Parcours von Fragwürdigkeit zu Fragwürdigkeit: Minetas timeline sei korrekt (S. 31f., 229f.), die FAA initiiere scrambles routinemäßig (S. 34ff.), die FAA habe ab 08:20 EDT eine Telefonbrücke zum Militär gehabt (S.  37f., 57f., 65, 68), Scoggins habe um 08:31 EDT NEADS informiert (S. 42f.), Robert Marr hätte General Arnold nicht anrufen müssen (S. 49f.), die Andrews AFB hätte schnell reagieren können (S. 62, 224f.), das Militär hätte UA 93 auf dem Radar verfolgt (S. 70ff.), die Piloten der entführten Flugzeuge hätten den Hijack Code aktivieren müssen (S. 233), NORAD schaute auch auf CONUS (S. 233ff.), NORAD fing Flugzeuge innerhalb von 5-10 Minuten ab (S. 240) usw. Es gibt nahezu keine „offizielle“ Minutenangabe, die Griffin nicht bezweifelt, selbst grundlegende Faktoren werden in Frage gestellt.

„9/11 Live or Distorted: Do the NORAD Tapes Verify The 9/11 Commission Report?“ ist das erste Kapitel des Buches, S. 27-94, betitelt. Griffins Anspruch ist explizit die Überprüfung dieses wichtigen Sets von Primärdaten auf seine Authentizität hin.
Eine solche Überprüfung kann verschiedene Stoßrichtungen annehmen: Inkonsistenzen in den Daten zu entdecken, die Daten mit anderen Primärdaten zu vergleichen, Hinweise auf technische Manipulation zu verfolgen, Verstößen gegen Naturgesetze oder Gesetze der Logik nachzugehen.
Nichts von alledem tut Griffin. Seine komplette Überprüfung verfolgt die Fragestellung, was eine dritte Partei zum jeweils verhandelten Zeitraum behauptet. Das Ergebnis ist stets, dass dies-und-jenes Ereignis in der Realität nicht wie auf den Tapes abgelaufen sei, weil
- Augenzeugen etwas Anderes behaupten;
- Medienberichte etwas Anderes behaupten;
- Kommentatoren (insbesondere der ehemalige FAA-Controller Robin Hordon) etwas Anderes behaupten;
- der „gesunde Menschenverstand“ etwas Anderes behauptet (O-Ton: „… is implausible“).

Aus der Methode, Primärdaten mit Sekundärdaten auszustechen, ergibt sich ein Qualitätsgefälle in der Argumentation, durch das der angestrebte Falsifizierungsanspruch prinzipiell nicht eingelöst werden kann. Griffins Ergebnis (Griffin, Debunking 9/11 Debunking, S. 93)

A more plausible interpretation, I suggest, is that these tapes have been produced by a combination of cherry picking and various kinds of doctoring, perhaps including voice morphing.

muss schon daher mit Vorsicht zur Kenntnis genommen werden.
Im Fall Griffin kommt hinzu, dass auch seine Bezugnahme auf Sekundärdaten nur selektiv ist. Was einer bestimmten Argumentation dienlich ist, wird angeführt; was dieser Argumentation entgegenläuft, taucht nicht auf. Die angewendete Methode ist damit nicht nur unangemessen, um das gewünschte Ziel zu erreichen, sie ist auch inkonsistent.
Das methodische Chaos illustriert ein Beispiel, das sich durch ein halbes Dutzend Griffin-Veröffentlichungen zieht (s. auch u.a. The New Pearl Harbor, The 9/11 Commission Report und 9/11 Contradictions).

Die Alarmierung des NEADS zu UA 175

Aus den NORAD-Tapes geht hervor, dass NEADS kurz vor 09:03 EDT von der Entführung von UA 175 erfährt.

NEADS Watson: Huntress ID, unsecure line. Yes sir, go ahead. What time sir? That’ll be all sir. Thank you.
NEADS Rountree: They had a second possible hijack.
NEADS Watson: United 175?
Rountree: One seven five. What is it?
Watson: United one seven five is the other aircraft, mode 3, three three two one. Oh my God. I´d say it´s pretty serious. Stacia, who were you talkin’ to?
Rountree: I was talking to New York.
(NEADS-Tapes, ID Op, 09:02:30 EDT)

David Ray Griffin bezweifelt die Richtigkeit dieser Angabe und kommt seinerseits zu dem Ergebnis (Griffin, Debunking 9/11 Debunking, S. 58, meine Herv.):

In sum, the claim about UA 175 made by Bronner and the 9/11 Commission – that the military did not know about this flight’s troubles until 9:03, when it had already crashed – is strongly contradicted by evidence from many sources.

Laut Griffin ist 08:43 EDT die Zeit, zu der die FAA das NEADS über UA 175 informierte. Maßgeblich für Griffins Einschätzung sind Quellen, deren Ambivalenz jedoch bereits ohne Referenz auf die NORAD-Tapes sichtbar wird. (Ich konzentriere mich hier ausschließlich auf die Frage, wann die FAA das NEADS informiert hat. Griffin spekuliert auch zu anderen Instanzen wie dem NMCC.)

Die erste timeline des NORAD

Griffins erste Berufungsinstanz ist wenig überraschend die erste NORAD-timeline vom 18. September 2001 sowie Medienberichte, die auf dieser timeline beruhen. In dieser timeline taucht die Angabe “08:43 EDT” erstmals auf. Griffin garniert sie mit suggestiven Fragen (Griffin, Debunking 9/11 Debunking, S. 55):

In its timeline of September 18, 2001, NORAD said that it had been notified about UA 175 by the FAA at 8:43. Can we believe that NORAD officials would have said this which would mean that NEADS failed to prevent this flight from crashing into the WTC even though it had 20 minutes to do so-if the truth was that the military had not been notified until 9:03? Would that not have been a very irrational lie? The only other explanation would seem to be that these NORAD officials were confused. But can we believe that they would have been so confused about such a major point only a few days after the event?

Dass die Angabe 08:43 EDT zu einem frühen Zeitpunkt von NORAD vertreten wurde, ist unbestritten. Dennoch hatte sie noch vor dem 9/11 CR “Konkurrenz” durch die (nahe der “offiziellen” Zeit des 9/11 CR gelegene) Angabe 09:05 EDT, die die FAA nahezu zeitgleich – seit dem 17. September – mit Berufung auf NORAD-Logs kursieren ließ. Die Angabe 09:05 EDT stellten selbst NORAD-Vertreter dann in den Hearings vor der 9/11 Kommission vor (Details).
Im Hinblick auf “offizielle” Aussagen herrschte also schon vor der Veröffentlichung der NORAD-Tapes ein Kampf konkurrierender Angaben, den am Ende die FAA gewann. Griffins rhetorische Frage “But can we believe that they would have been so confused about such a major point only a few days after the event?” entwickelt daher eine ungewollte Bumerangwirkung – können wir etwa glauben, dass die FAA wenige Tage nach 9/11 so verwirrt über so einen wichtigen Punkt war?
Das MCC-T-Log des NEADS bestätigt die Zeit 09:05 EDT, nicht aber die der ersten NORAD-timeline:

1305 [UTC] United 175 Possible Hijack BOS-LAX

Hierbei handelt es sich um ein zeitnahes Dokument, das den Konflikt der “offiziellen” Aussagen zugunsten der Angabe 09:05 EDT beenden könnte.
Lange vor Erscheinen des 9/11 CR kursierten zudem bereits Transkripte von Tapes der FAA zu UA 175 in den US-Medien, die das Auffälligwerden von UA 175 für die zivile Flugüberwachung dokumentieren – noch um 08:41 EDT, keine zwei Minuten vor der angeblichen Entführungsmeldung an NEADS, spricht UA 175 mit dem zuständigen Controller. Erst ab 08:51 EDT, d.h. sechs Minuten nachdem angeblich NEADS über UA 175 informiert worden sein soll, wird der Flug als auffällig wahrgenommen (New York Times, 16. Oktober 2001):

8:41:32 UAL175: We figured we’d wait to go to your center. We heard a suspicious transmission on our departure from BOS sounds like someone keyed the mike and said everyone stay in your seats.
8:41:51 R42: O.K. I’ll pass that along.
8:41:56 UAL175: It cut out.
[...]
8:51:43 R42: UAL175 recycle transponder squawk code 1470.
8:51:53 R42: UAL175 New York.
8:52:09 R42: UAL175 do you read New York.
8:52:14 R42: DAL1489 do you read New York.
8:52:16 DAL1489: DAL1489 go ahead.
8:52:20 R42: O.K. just wanted to make sure you were reading New York — United, United 175 — do you read New York?
8:52:30 R42: IGN on the 93 line Kennedy.
8:52:46 R42: IGN on the 93 line East Texas.
8:52:52 ZBW IGN: IGN.
8:52:53 R42: do me a favor see if UAL175 went back to your frequency.
8:52:58 ZBW IGN: UAL 175?
8:53:01 R42: yes.
8:53:14 ZBW IGN: he’s not here East Texas.
8:53:23 R42: 10 — do you see that UAL175 anywhere and do me a favor you see that target there on 3321 code at 335 climbing don’t know who he is but you got that USA 583 if you need to descent him down you can nobody we may have a hijack we have some problems over here right now.

Das entsprechende Tape der FAA stammt aus dem ZNY, Position Radar 42 (Dave Bottiglia). Die ersten Auffälligkeiten in den Radardaten zeigen sich mit dem Wechsel des Transpondercodes um 08:46 EDT, drei Minuten nach der angeblichen Informierung des NEADS.
Auch an diesen Primärdaten könnte sich die Debatte um die Alarmierung des NEADS zu UA 175 entscheiden – sie alle sprechen gegen Griffins frühe Alarmierungszeit.

Das Brown-Memo

Griffin beruft sich auf eine E-Mail der FAA-Mitarbeiterin Laura Brown (vgl. Griffin, Debunking 9/11 Debunking, S. 57f.), die auf dieser Webseite an anderer Stelle diskutiert wird. Im hier vorliegenden Kontext ist anzufügen, dass zum Zeitpunkt des Brown-Memos (während der Hearings der 9/11 Kommission) seitens der FAA lange bereits 09:05 EDT als Alarmierungszeit zu UA 175 kolportiert wurde (s.o.).
Griffin versucht die E-Mail Browns mit einer Aussage von NORAD-Vertreter Craig McKinley vor der 9/11 Kommission zu stützen (Griffin, Debunking 9/11 Debunking, S. 58):

The fact that the military was involved in this teleconference was, moreover, confirmed by General Craig McKinley when he testified, along with Scott and Arnold, at the 9/11 Commission hearing on May 23, 2003. Commissioner Richard Ben-Veniste, asking if NORAD “did not have an open line with the FAA at that time,” alluded to the information in the memo, saying: “[W]e are advised that there was … essentially an ongoing conference where under, in real time, FAA was providing information as it received it, immediately after the first crash into the Towers.” McKinley replied: “It is my understanding from talking with both FAA and our supervisors at the Northeast Air Defense Sector [NEADS] in Rome, that those lines were open and that they were discussing these issues.” The Pentagon cannot now credibly claim, therefore, that although the FAA knew about the hijacking of UA 175, the military did not.

Abgesehen davon, dass die Allgemeinheit von McKinleys Aussage noch wenig über UA 175 verrät, gab im selben Hearing, aus dessen Verlauf Griffin den NORAD-Vertreter McKinley zitiert, der NORAD-Vertretrer William Scott die offizielle Version des NORAD zur Alarmierung über UA 175 diese Zeit zu Protokoll:

At 9:05, FAA reports a possible hijack of United 175. Again, that’s three minutes after the impact in the tower.

McKinley kommentiert Scotts Ausführungen mit der Aussage, dass “this is the best and most accurate data that we could piece together for your Commission, sir” (S. 23). McKinley sagt überhaupt etliche Dinge, die dem widersprechen, was Griffin an anderen Stellen behauptet:

In fact, that tracks originating over the landmass of the United States were identified friendly by origin. Therefore those alert sites that were positioned on the morning of September 11th were looking out primarily on our coasts at the air defense identification zone, which extends outward of 100 to 200 miles off our shore. So that was the main focus of NORAD at the time. (S. 23)

R. BEN VENISTE: My question, sir, and I mean no disrespect, but we’ll save time if you listen to what I ask you. My question is: The concept of terrorists using airplanes as weapons was not something which was unknown to the U.S. intelligence community on September 10th, 2001, isn’t that fair to say?
GEN. MCKINLEY: I’d like the intelligence community to address that. I would find it hard to believe that they hadn’t speculated against that. But it was unavailable to us at the time. (S. 24f.)

GEN. MCKINLEY: Secretary Lehman, also if I may add the complexity of the air traffic over the Northeast corridor is  so complex that to just launch fighters, as you know, sir, from your background, into that air traffic system can cause potential damage or midair collision. So we rely on the FAA to de-conflict those corridors. And that is another reason why it vectored east originally. (S. 36)

R. BEN VENISTE: Right.  Now if the order had been  given to Andrews, even simultaneously with the order that you gave to scramble your planes, is it not fair to say that those planes would have reached the Pentagon sooner?
GEN. ARNOLD: They might have, but they would have been unarmed.
GEN. MCKINLEY: Sir, what would be my comment, sir, is those aircraft are not prepped or built up for that mission. (S. 44)

Der Augenzeuge Jellinek

Griffins nächste Berufungsinstanz sind Augenzeugen bei NORAD. Captain Michael Jellinek und Major General Rick Findley arbeiteten 9/11 Seite an Seite in NORAD HQ in Cheyenne Mountain, Jellinek als Leiter des Kontrollraums, Findley als sein Vorgesetzter (Director of Operations). Über die Erfahrung der beiden berichtete die Zeitung Toronto Star wenige Tage nach 9/11:

An hour into his shift, something unscripted happens. NORAD’s Northeast Air Defence Sector (NEADS), based in Rome, N.Y., contacts the mountain. The Federal Aviation Administration has evidence of a hijacking and is asking for NORAD support. This is not part of the exercise.
In a flash, Operation Northern Vigilance is called off. Any simulated information, what’s known as an “inject,” is purged from the screens.
Someone shouted to look at the monitor displaying CNN. “At that point, we saw the World Trade Center, one of the towers, smoke coming out of it. And a minute later, we watched the live feed as the second aircraft swung around into the second tower,” says Jellinek.
He had one question for the people on the line from NEADS: “Was that the hijacked aircraft you were dealing with?” he asked. Yes, it was, came the reply. And then, Jellinek says, “it got really, really busy.”

In den zitierten Absätzen geht es um ein Flugzeug, über das NEADS und NORAD HQ sprechen. Dieser Aspekt deckt sich auch mit der Erinnerung des ebenfalls abwesenden Findley (Interview mit der Canadian Broadcast Corporation, 11. September 2002):

When someone said, the Federal Aviation Administration has asked for NORAD asisistance for a hijacking. With that in our mind as we came back here in the Battle Cab from breakfast, someone said “You wanna look at this”. And this is the first time the screen popped up. Now we are all in the operation executing the escort for this hijacked that we were requested for, when there is this picture of the world trade center, of the hole at the side of the tower. And I said “Where is that from” and they said “Well, it is a commuter aircraft”. Well, that´s too big a hole for a commuter aircraft. And then the next thing I know is I had my head down answering the phone because underneath where you are sitting there is a bunch of phones. I picked up the phone and as I put my head up I saw pieces coming out of the second tower. And I said “Well, now we have a coordinated attack”. And about that moment in time every phone in this cab, and every phone over in the Command Center, and every phone in the centers in this building were ringing off.

Doch welches Flugzeug ist gemeint? Der oben zitierte, auf der Erinnerung Jellineks basierende Dialog angesichts der CNN-Bilder scheint sich auf das zweite, in den Südturm des WTC fliegende Flugzeug zu beziehen. Konsequenterweise müsste man also davon ausgehen, dass laut diesem Artikel NEADS das NORAD über die Entführung von UA 175 unterrichtete, AA 11 aber keine Rolle spielte, mithin das erste NEADS und NORAD bekannte entführte Flugzeug UA 175 war.
Diese Version vertritt jedoch niemand, auch David Ray Griffin nicht, der davon ausgeht, dass NEADS ab 08:20 EDT von AA 11 wusste und ab diesem Zeitpunkt auch die Telefonkonferenz des NMCC inkl. Einbindung des NORAD aktiv war (vgl. Griffin, Debunking 9/11 Debunking, S. 37f.).
An dieser Stelle taucht bereits das erste Problem auf, wenn man sich so konsequent und ausschließlich in der Domäne von Zeugenaussagen und Medienreporten bewegt. Griffin umgeht es, indem er die Jellinek-Episode gezielt auf die brauchbaren Informationen kürzt (Griffin, Debunking 9/11 Debunking, S. 56):

Jellinek was on the phone with NEADS as he watched Flight 175 crash into the South Tower. Afterward, he asked NEADS, “Was  that the hijacked aircraft you were dealing with?” – to which NEADS said “Yes.” If one accepts the new timeline, according to which NEADS did not know about UA 175 until it crashed, this Jellinek story must be regarded as a fabrication.

Das zweite Problem ist, dass es – auch lange vor Erscheinen des 9/11 CR – weitere (und deutlich genauere) auf den Erinnerungen dieser beiden Beteiligten basierende Artikel gibt, in denen als das Flugzeug, über das NEADS das NORAD informierte, nicht UA 175, sondern AA 11 identifiziert wird:

Unknown to Duffy, Nash and every commander being notified at the time, American Flight 11 had crashed into the north tower of the World Trade Center (WTC) about the time both F-15s were taking off. America’s terrorist nightmare had begun.
Almost simultaneous with Marr’s call to Arnold at Conar, the same hijack notification was being passed by phone to a Norad command center deep inside Cheyenne Mountain near Colorado Springs, and the joint FAA/ Defense Dept. Air Traffic Services Cell (ATSC) colocated with the FAA’s ATC System Command Center in Herndon, Va. (AW&ST Dec. 17, 2001, p. 96).
“NEADS instantly ordered the scramble, then called me to get Cinc [Norad commander-in-chief] approval for it,” said Capt. Michael H. Jellinek, a Canadian Forces (Navy) officer serving as Norad command director that morning. He’s also director of plans, requirements and readiness at Norad’s Cheyenne Mountain Air Force Station. Fortunately, Maj. Gen. Eric A. Findley, another Canadian and Norad’s director of operations, was already in the mountain for the Vigilant Guardian exercise. He quickly approved the fighters’ launch.
Back at the NEADS Operations Center, identification technicians were sorting thousands of green dots on their radar scopes, looking for American Flight 11. Since terrorists had turned off the Boeing 767′s transponder, FAA controllers could only tell NEADS technicians where the flight had last been seen. The NEADS radar screens showed “primary” or “skin-paint” returns, the raw radar pulses reflected from an aircraft’s surface.
Ironically, FAA officials only a few months earlier had tried to dispense with “primary” radars altogether, opting to rely solely on transponder returns as a way to save money. Norad had emphatically rejected the proposal. Still, on Sept. 11, Norad’s radars were spread around the periphery of the U.S., looking outward for potential invaders. Inside U.S. borders, very few radars were feeding NEADS scopes.
In essence, technicians were half-blind, trying to separate hijacked airliners from thousands of skin-paint returns. At the time, more than 4,000 aircraft were airborne over the nation, most in the northeast sector, which monitors half a million square miles of airspace.
“We were trying to determine which [radar return] was him. But we couldn’t get what we needed just from our scopes,” said MSgt. Maureen Dooley, a noncommissioned officer in charge (NCOIC) of NEADS’ identification technicians. She and other troops were constantly on the phone with the FAA, airlines and others, looking for clues. “If we could get good last-known-positions and tail numbers, that would help the fighters pick out the right aircraft.”
“The biggest task was maintaining track continuity,” echoed Tech. Sgt. Jeffrey Lamarche, NCOIC of the air surveillance section. Later, his team thought they had spotted a fifth hijacked aircraft. “This fifth guy made an abrupt turn toward a major city–but it was OK. He was told to land there. It sure had our hearts going and adrenaline pumping. We didn’t know what he was doing.”
Marr capsulized the tense moments: “The NEADS battle managers get the last known location, estimate [Flight AA11's] speed and find a green dot that’s not identified. Almost as soon as it’s discovered, it disappears. It’s 8:46 a.m. A shocked airman rushes from the computer maintenance room saying, ‘CNN is reporting that the World Trade Center has been hit by an airliner.’ There are no other missing aircraft. As we watch the TV, another airliner shows up on the screen, aimed for the second tower [9:02 a.m.]. The shocking reality becomes apparent. This is no longer ‘an accident.’ New York City is under attack.”
Flying supersonically, the F-15s were still 8 min. from Manhattan when United Airlines Flight 175 smashed into the WTC’s south tower. “Huntress,” the NEADS weapons control center, had told Duffy his hijacked target was over John F. Kennedy International Airport. He hadn’t heard about the United aircraft yet.
“The second time I asked for bogey dope [location of AA11], Huntress told me the second aircraft had just hit the WTC. I was shocked . . . and I looked up to see the towers burning,” Duffy said. He asked for clarification of their mission, but was met with considerable confusion.
In Norad’s command center, “a bunch of things started happening at once,” Jellinek said. “We initiated an Air Threat Conference [call]. We were getting information about other possible hijackings.”
(Aviation Week and Space Technology, 3. Juni 2002)

At 8:40 a.m., Norad’s Northeast Air Defence Sector took a call from air control in Boston regarding a possible hijacked airliner, American Airlines Flight 11. Fighter planes were ordered to take off.
Gen. Findley was “in the chair” — director of combat operations for the North American Aerospace Defence Command (Norad) — when the call came in to Cheyenne. He immediately confirmed authorization of the fighters’ deployment.
“At that point all we thought was we’ve got an airplane hijacked and we were going to provide an escort as requested” by the Federal Aviation Administration, he said in an interview with the Citizen. “We certainly didn’t know it was going to play out as it did.”
It is Gen. Findley’s response to the terror attacks of that day, orchestrated from deep within the Norad Battle Management Center in Cheyenne Mountain, that has earned him the honour of Canada’s Meritorious Service Cross. He will receive the medal in a ceremony Sept. 27 at Government House in Ottawa.
Gen. Findley, 52, was born in Ottawa and has spent a good part of his military career in this region. After joining the Forces in 1968 and training as a pilot, he graduated with a bachelor’s degree from Carleton University.
After spending time posted to helicopter tactical squadrons in Edmonton, CFB Gagetown and Germany, Gen. Findley became commanding officer of a helicopter squadron at CFB Petawawa, west of Ottawa, in 1988.
Peacekeeping postings to Egypt, Israel and Central America were followed by a return to Ottawa in the early 1990s, for various jobs at National Defence headquarters and a stint as commander of CFB Ottawa before it closed.
Gen. Findley’s vast experience served him well on the day the call came from Boston — a day on which “we couldn’t pull a plan off the shelf,” he said. “There was no plan.”
But there was also no panic. “Nobody was overwhelmed and nobody hesitated,” he said. “Everybody knew what they had to do.”
Images from CNN showed a World Trade Center tower with “a smoking hole in it.” But it wasn’t yet clear that the hijacked plane and the damaged tower were linked.
When the second plane hit the tower, “we knew we had something much more sinister than just an accident, a really co-ordinated and deliberate action.”
(Ottawa Citizen, 11. September 2002)

Prinzipiell war früh bereits die medial kolportierte Lesart, dass NEADS NORAD über AA 11 informierte, nicht über UA 175 (Bsp. NBC am 23. September 2001 oder Filson in Air War over America, S. 55f.).

Griffin kennt alle hier zitierten und angeführten Berichte. In The New Pearl Harbor werden z.B. die NYT-Transkripte erwähnt und Debunking 9/11 Debunking führt auch den Artikel der Aviation Week als Quelle. Dennoch wird man diese Artikel in der Argumentation für die These, NEADS wäre bereits um 08:43 EDT über die Entführung von UA 175 informiert worden, nicht finden. Das verfügbare Material wird gezielt auf den einzelnen Bericht reduziert, der der Argumentation dienlich ist.
Das waghalsige Argumentationsmanöver gipfelt in einem Vertuschungsvorwurf an die 9/11 Kommission (Griffin, Debunking 9/11 Debunking, S. 56):

But what motive would Jellinek or the reporter have had for making it up? The 9/11 Commission avoided this question by not mentioning this story.

Die Dichotomie, dass entweder Jellinek und NEADS über UA 175 gesprochen haben oder die ganze Episode erlogen sein müsse, ist aber nicht gerechtfertigt. Angesichts des Gesamtbildes scheint der zur Debatte stehende Dialog schlicht etwas ungenau ausgefallen oder ungenau vom Reporter zitiert zu sein und sich auf AA 11 zu beziehen.
Die 9/11 Kommission ging das Thema direkter an als über Zeitungsartikel, sichtete die Primärdaten und sprach mit den beteiligten Personen in NORAD HQ und bei NEADS. Die Gesprächsnotizen von über ein Dutzend Personen bestätigen die “offizielle Version” – einige Auszüge:

Seetin was present in the Battle Cab that day because of the ongoing exercise. The NORAD J2 on 9/11 was Navy Captain Mike Noll. Seetin sat directly next to the J3, General Finley (CF) that morning. They were preparing for a U.S. exercise in response to a Russian exercise. He heard from the Command Director, Captain Jelinek that FAA was reporting a hijack. That was sometime after 0800 EDT. Seetin immediately sent someone to bring General Finley back-to the Battle Cab. Seetin had access to a NORAD chat log and recalled that the CD was already engaged in an air event conference. At some point a Significant Air Event Conference was convened. They had no notice of UA175 and the first awareness of the second hijack was seeing on CNN the second plane hitting the second tower. (NORAD HQ Robert Seetin MFR, S. 1)

First Notification:
At about 0640 MDT Findley and the NORAD staff received word that the FAA (Federal Aviation Administration) had requested assistance for an ongoing hijack. The information came to the NORAD Air Warning Center from CONR (Continental U.S. Aerospace Defense Region, TyndaIlAFB, FL), and to CONR from NEADS (Northeastern Airspace Defense Sector, Rome, NY). The NORAD Air Warning Center is embedded in the NORAD Battle Management Center and the Command Center. All these teams were present and involved in the NORAD reaction.
The tactical decision to launch fighters from Otis ANGB (Otis Air National Guard Base, Cape Cod, MA) came from NEADS.
UAL 175 (United Airlines Flight 175):
From the NORAD perspective, the first awareness of a second impact at the World Trade Center (WTC) was from the media simulcast of the event. Findley realized at that point that there was on ongoing coordinated attack, but did not know the exact facts of what caused both explosions. (NORAD HQ Rick Findley MFR, S. 2)

8:20 AM on 9/11:
Marr spoke with General Arnold and conveyed that the floor was prepared to begin the exercise. He noticed the front row of the operations floor had a number of people “huddled up”, and he sent Major Dawne Deskins to the floor for information.
Deskins returned to the Battle Cab and informed him of a FAA report of a real world hijack. He next spoke to General Arnold regarding an order for Battle Stations at Otis ANGB, and Arnold gave Marr the authority to scramble the fighters towards Whiskey 105.
Marr noted that once the Otis fighters were scrambled, the MCC (Nasypany) would have spoken to either himself or the FO. He noted that he tries to avoid being on the operations floor during an event because he finds it causes more confusion than it is helpful.
Marr explained to Commission staff that he would interpret the relationship between himself and Nasypany as Nasypany having the discretion to take the Otis fighters directly to New York City. If the fighters had had a track, then Marr would have expected Nasypany to look to the Battle Cab for direction.
UAL 175:
Marr stated that he did not know there was a second hijacking, and believes his first notice of the second crash into the World Trade Center was through a television broadcast. Marr was not on a continual open line with Arnold. (NEADS Robert Marr MFR, S. 5f.)

Ergebnis: Selbst wenn man die NORAD-Tapes außen vor lässt, gibt es hinreichend Quellen, die den vom Toronto Star wiedergegebenen Dialog einordnen helfen – Jellinek erfuhr durch NEADS von AA 11, nicht von UA 175.

Controller der FAA

Auch die Aussagen von Controllern der FAA nutzt Griffin für seine Argumentation (Griffin, Debunking 9/11 Debunking, S. 57):

These controllers can, therefore, be seen and heard reporting things that they did and experienced that, according to the new story based on the NORAD tapes, could not have happened.

Griffins Berufungsinstanzen sind Dave Bottiglia und Bob Varcapade.
Dave Bottiglia saß im ZNY auf der Position R42 und bemerkte als erster das auffällige Verhalten von UA 175 (s. das oben zitierte Transkript). Griffin schreibt zu diesem Controller (Griffin, Debunking 9/11 Debunking, S. 56):

We also have contradictory stories about UA 175 that involve the testimony of air traffic controllers. According to Bronner, controllers first realized that UA 175 had been hijacked shortly after 8:57. However, a 2002 NBC show, in which Tom Brokaw interviewed air traffic controllers, gave a very different account. The New York controller for UA 175, Dave Bottiglia, said that he knew a few minutes after 8:46 that this plane had been hijacked.

Wann Bottiglia zuerst vermutete, UA 175 sei entführt, ist auf den Tapes des ZNY nachzuhören und war in der Tat wenige Minuten nach 08:46 EDT, nämlich um 08:53 EDT (FAA-Tapes, ZNY, Position R42, 08:53:23 EDT, meine Herv.):

ZNY Bottiglia: Tim?
ZNY Controller: Hello?
Bottiglia: Do you, ah, see that United 175 anywhere? And do me a favor, you see that target there, the thirty three twenty one code, at thirty three five climbin’? Don’t know who he is, but you got the USAIR 583 if you need to descend him down you can. Nobody, we may have a hijack, we have some problems over here right now.
Controller: Oh you do?
Bottiglia: United 175, New York.
Controller: Yes.

Genau diese Angabe taucht auch im 9/11 CR auf (S. 21f.). Inwiefern dies Griffins Behauptung, dass NEADS um 08:43 EDT informiert sein soll, stützen helfen soll, erschließt sich nicht.
Über Bob Varcapade, einen Controller des Newark TRACON, behauptet Griffin, er würde bezeugen, dass die Otis-Jäger zum Abfangen von UA 175 losgesendet wurden (Griffin, Debunking 9/11 Debunking, S. 57):

Shortly thereafter; Brokaw says:
“8:52AM: It has been six minutes since American 11 hit the north tower. And NORAD-responsible for the defense of North American airspace-is now alerted to a second hijacking. It scrambles two F-15 fighter jets from Otis air force base in Massachusetts to potentially intercept the United plane . But they are more than 150 miles, and some 20 minutes, away.”
Brokaw’s final sentence presupposes that these fighters would be going only 450 miles per hour. In any case, later in the program, Bob Varcapade, one of the Newark controllers, says about these two F-15s: “If they only could’ve gotten there a couple minutes earlier. They just missed it.” Although this controller portrayed the fighters as much closer than did Brokaw, who repeated the then-official story, they agreed that they were sent to intercept UA 175.

Die komplette Sendung gibt aber hier auch nicht mehr her als der von Griffin zitierte Ausschnitt: Die Behauptung, die Otis-Flieger wären wegen UA 175 gestartet, stammt von Moderator Tom Brokaw. Varcapade sagt nichts dergleichen. Woher Brokaw die Information nimmt, ist unklar. Zum Zeitpunkt der Sendung war dies bereits eine randständige Lesart (s. ua. die oben zitierten Artikel, in denen als Grund für den scramble der Otis-Jäger AA 11 angegeben wird). Zeitgleich zu der Brokaw-Sendung äußerten sich zudem auch die beteiligten Piloten eindeutig in einer ABC-News-Reportage:

The F-16 fighter jets that had been scrambled from Otis Air National Guard Base, whose pilots were code-named “Duff” and “Nasty,” called in for an update.
“At that point, they said the second aircraft just hit the World Trade Center,” Air National Guard Lt. Col. “Duff” said. “That was news to me. I thought we were still chasing American [Airlines Flight] 11.
“We’re 60 miles out, and I could see the smoke from the towers,” he said. “At that point, obviously, everything changed.”

Auch der Artikel mit diesem O-Ton des Piloten ist Griffin bekannt und taucht in den Quellenangaben von Debunking 9/11 Debunking auf.

Fazit

Ginge es an dieser Stelle nur darum, was die Primärdaten sagen, sind die Fragen, die Griffin diskutiert, schnell beantwortet.
Wegen welches Fluges die Abfangjäger der Otis ANGB abhoben, ist durch die Primärdaten (NORAD-Tapes, NEADS-Logs) eindeutig bestimmt.
Wann UA 175 für die Flugüberwachung auffällig wurde, ist durch die Primärdaten (Radardaten, Tapes der FAA) eindeutig bestimmt.
Wann NEADS von der Entführung von UA 175 erfuhr, ist durch die Primärdaten (NORAD-Tapes, NEADS-Logs) eindeutig bestimmt.

Warum dann die lange Auseinandersetzung? Weil die angeführte Episode aus Griffins Buch zeigt, dass
- selbst wenn man die NORAD-Tapes nicht als authentisch anerkennt,
- selbst wenn man die Tapes der FAA nicht als authentisch anerkennt,
- selbst wenn man das MCC-T-Log des NEADS nicht als authentisch anerkennt,
- selbst wenn man die Radardaten nicht als authentisch anerkennt,
man immer noch nicht bei der Lesart ankommt, für die Griffin argumentiert. Zu jeder Angabe aus zweiter oder dritter Hand, die Griffin für bedeutend hält, lässt sich mühelos eine Angabe aus zweiter oder dritter Hand und vor Veröffentlichung des 9/11 CR finden, die im Gegenzug die “offizielle Version” des 9/11 CR stützt. Der Regelfall ist sogar, dass die von Griffin vertretene Lesart in der Gesamtschau eher randständig ist – in Griffins eigenen Quellen finden sich meist mehr Angaben, die die “offizielle Version” stützen als Angaben, die seine eigene Version stützen.
Griffins Berufung auf die NORAD-timeline vom 18. September steht (neben den Primärdaten) die FAA-timeline vom 17. September entgegen.
Griffins Berufung auf das Brown-Memo stehen (neben den Primärdaten) die Erinnerungen Beteiligter und die Aussagen in den Hearings der 9/11 Kommission entgegen.
Griffins Berufung auf NORADs McKinley steht McKinley selbst entgegen, der eine Angabe von NORADs Scott bestätigt. Sie ist zudem inkonsistent, da McKinley von Griffin nicht als glaubwürdige Quelle geführt werden kann.
Griffins Berufung auf die Kurzform der Jellinek-Episode stehen (neben den Primärdaten) mehrere Langformen der Jellinek-Episode und Befragungen der involvierten Beteiligten bei NEADS und NORAD entgegen. Sie ist zudem inkonsistent, da Griffin ihre Konsequenz – NORAD wurde vor 09:03 EDT nur über UA 175 informiert – gar nicht mitgeht.
Griffins Berufung auf die Brokaw-Sendung stehen (neben den Primärdaten) mehrere andere Sendungen und Artikel sowie die Aussage des beteiligten Piloten entgegen.
Griffins Berufung auf den FAA-Controller Bottiglia ist ebenso wie seine Berufung auf den FAA-Controller Varcapade sinnlos. Beide Controller sagen nichts aus, was seine Behauptungen stützt.
Und Griffin müsste all dies wissen, da er alle Quellen, die ihm widersprechen, nachweislich kennt.

Die stark interessegeleitete Argumentation von David Ray Griffin zeigt beispielhaft, wie wenig zielführend es ist, vereinzelte Angaben aus zweiter oder dritter Hand ohne Überprüfung der “Gesamtlage” zu Indizien gegen die “offizielle Version” hochzustilisieren. Man kommt an kein sinnvolles Ende.
Sie zeigt, weiviel Material man aus der Endabrechnung kürzen muss, um überhaupt – so wie Griffin – für die Zeit 08:43 EDT zu argumentieren. Griffins Ergebnis (Griffin, Debunking 9/11 Debunking, S. 58), dass

the claim about UA 175 made by Bronner and the 9/11 Commission – that the military did not know about this flight’s troubles until 9:03, when it had already crashed – is strongly contradicted by evidence from many sources

gilt, wendet man Grffins eigene niedrige Quellenstandards an, ebenso genau umgekehrt: “Evidence from many sources” insinuiert, dass die Behauptung von Bronner und der 9/11 Kommission korrekt ist. Die mannigfaltigen Äußerungen beteiligter und unbeteiligter Personen zu 9/11 bieten für nahezu jedes Interesse etwas und wer einen bestimmten Eindruck vermitteln möchte, sucht heraus, was passt, und lässt alles Unpassende weg. David Ray Griffin ist ein Meister dieser Methode.
Sie zeigt, dass es per se nichts bedeutet, wenn man für irgendeine Behauptung “viele Quellen” aufbieten kann, wenn diese Quellen selbst bereits derivativ, uneindeutig, fragwürdig fundiert, unvollständig oder widersprüchlich sind. Die Überzeugungskraft von Quellen ergibt sich nicht aus ihrer Menge, sondern aus ihrer Qualität. Selbst wenn Griffin zwei Dutzend Medienberichte zitiert, die aus der ersten NORAD-Pressemeldung abschreiben, ist das eine schlechtere Quelle als die einzelne Tonaufnahme der NORAD-Tapes vom 11. September 2001.

 

Nachtrag, 02.03.16: In seinem Buch The 9/11 Commission Report versucht Griffin, die Alarmierungszeit von 08.43 EDT zusätzlich damit zu plausibilisieren, dass UA 175 bei der FAA angeblich bereits um 08:42 EDT als auffällig wahrgenommen worden wäre (Griffin, The 9/11 Commission Report, S. 180, meine Herv.).

There are also news reports, such as a New York Times story, published five weeks after 9/11, that contradict the Commission’s version of what happened. According to the Times story, a flight controller, speaking about Flight 175 at 8:42, said that it “looks like he’s heading southbound but there’s no transponder no nothing and no one’s talking to him.” This report indicates that the controller noticed the course change and the transponder problem immediately [...].

Der fett markierte Teil ist falsch. Die “Times story” ist ein partielles Transkript der R42-Position im ZNY (Dave Bottiglia). Die Aussage von Bottiglia zu diesem Zeitpunkt (“looks like he’s heading southbound but there’s no transponder no nothing and no one’s talking to him”) ist an den Flug US Airlines 583 gerichtet und bezieht sich nicht auf UA 175 – mit dessen Pilot Bottiglia nichtmal eine Minute vor der Äußerung noch gesprochen hat -, sondern auf AA 11. Der erste Kontakt mit USA 583 macht den Bezug deutlich (meine Herv.):

8:40:47 USA583: New York do a favor were you asked to look for an aircraft, an American flight about about 8 or 9 o’clock 10 miles south bound last altitude 290 — no one is sure where he is.
8:41:07 USA583: Yea we talked about him on the last frequency we spotted him when he was at our 3 o’clock position. He did appear to us to be at 29,000 feet. We’re not picking him up on TCAS. I’ll look again and see if we can spot him at 24.
8:40:20 R42: No, it looks like they shut off their transponder that’s why the question about it.

 

Literatur

Filson, Leslie: Air War over America. Sept. 11 alters Face of Air Defense Mission. Tyndall AFB 2003

Griffin, David Ray: The New Pearl Harbor. Disturbing Questions about the Bush Administration and 9/11. Northampton: Interlink 2004

Ders.: The 9/11 Commission Report. Ommissions and Distortions. Northampton: Interlink 2005

Ders.: Debunking 9/11 Debunking. An Answer to Popular Mechanics and other Defenders of the Official Conspiracy Theory. Northampton: Interlink 2006

Ders.: 9/11 Contradictions. An Open Letter to Congress and the Press. Northampton: Interlink 2008

Klöckner, Marcus B.: 9/11. Der Kampf um die Wahrheit. München: Heise 2011

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