Otis AFB – Zeugen gegen Scramble

Um 08:52 EDT starteten die Jäger aus Otis, um Flug AA 11 abzufangen (der zu diesem Zeitpunkt bereits in den Nordturm des WTC gesteuert worden war). Erste Radardaten liegen für 08:53 EDT vor.
Andreas Hauß zum Otis-Start um 8:52 Uhr auf seiner Webseite:

Die Beweise (Aussagen des Kommandanten, von Nachbarn und Besuchern der airbase) sind erdrückend: auf Otis gab es keinen Alarmstart, nicht um diese Zeit.

Die ausgeführte Version des Arguments:

Daß es so nicht gewesen sein kann, ist seit vier Jahren nachlesbar. Da startete nichts, nicht eine Maschine. Das in Vanity Fair erwähnte piercing “battle horn” wurde von glaubwürdigen Augenzeugen auf Otis nicht gehört, die angeblich startenden F-15 nicht gesehen. Nicht zu diesem zeitpunkt.

Die genannten „erdrückenden Beweise“ werden – seit August 2002 offenbar unverändert – hier präsentiert.
Der von Hauß benannte “Besucher” ist nicht aufzutreiben.
Der von Hauß benannte „Kommandant“ wird später Thema sein.
Der von Hauß benannte „Nachbar” ist in einem Artikel vom 12.01.2001 zu finden. Zwei Personen kommen in Frage:

Another neighborhood resident, Bill Thompson, said he noticed increased activity around 10 or 10:30 a.m. yesterday, with the fighters taking off in pairs.

Bröcker/Hauß dazu in ihrem Buch “Fakten, Fälschungen …”, S. 114:

Nein, die zwei Abfangjäger waren schlicht nicht da [in NYC] – und dafür gibt es Millionen Zeugen. Erst ab etwa 10.00 Uhr, als die Türme in sich zusammenstürzten, waren unbestreitbar Jäger in der Luft. Und das dann tagelang. Was sich mit dem bereits angeführten Artikel aus der Cape Cod Times deckt, wo es über die Situation auf der Otis AFB heißt: „Ein anderer Nachbar, Bill Thompson, teilte mit, er hätte eine gesteigerte Aktivität gestern gegen 10 Uhr oder 10.30 Uhr bemerkt, als die Kampfflugzeuge paarweise abhoben.“

Aus Thompsons Aussage zu folgern, dass vor 10:30 EDT nichts auf der Otis AFB passiert ist, wäre eine Verwechslung von „absence of evidence“ und „evidence of absence“. Es ist nicht bekannt, wo Thompson bis 10:30 EDT war.
Bröckers/Hauß folgern das ja auch nicht explizit. Sie deuten es lediglich an („Was sich … deckt“) und bieten damit einen ersten Kandidaten für eine timeline zu Otis an, einen Alarmstart zw. 10:00 und 10:30 EDT.
Wesentlich wichtiger ist Hauß bzw. Bröckers/Hauß eine andere Person, die von Hauß auch 2007 noch in dem Film „Unter falscher Flagge“ ausführlich als Kronzeuge eines verspäteten Otis-Starts angeführt wird, min17:31-20:00:

Also nehmen wir ganz konkret den Fall Otis Air Force Base. Auf Otis gab es einen Schuldirektor – man muss sich diese Luftbasen so vorstellen, dass dort 1000e von Soldaten aktiv sind, die haben teilweise natürlich auch Familien und Kinder, wohnen dort, und dementsprechend gibt es dort auch Schulen, das Leben dieser Dörfer und Ansiedlungen ist also sehr stark militärisch geprägt, aber es gibt halt eben auch zivile Komponenten wie halt eben diese Schule – dieser Schuldirektor Mr. Wibel war gerade offensichtlich auf einen Termin wahrscheinlich um 9:00 Uhr gebucht, mit dem Kommandanten von Otis, Mr. Quenneville und wartete im Wartezimmer oder im Vorzimmer oder wo auch immer, und Mr. Wibel erzählte nachher, sagte er der Heimatzeitung erschreckt, was alles am 11. September gewesen ist, wie er alles erlebt hat, also beispielsweise so, wie wir ihn auch erlebt haben, die Radios und Fernseher gehen an, alle Leute laufen und rufen wild durcheinander und sagen da ist was ganz Schlimmer im World Trade Center passiert, da muss ein Flugzeug reingeworfen, äh, reingeflogen sein, da muss ein Flugzeug reingeflogen sein, also wenn er das sagt, berichtet er de facto von einer Luftwaffenbasis, die nicht im Alarmzustand gewesen ist, sondern von einer Luftwaffenbasis, die sich erst über die Medien darüber informiert hat, dass überhaupt ein Unglück – also, zu dem Zeitpunkt als Unglück angesehen – dass irgendetwas im World Trade Center passiert ist. Es war aber dieselbe Luftwaffenbasis, von der um 8:52 Uhr im Alarmzustand die Flugzeuge, die Abfangjäger hätten gestartet gewesen sein sollen. Also ich meine wenn auf einer Luftwaffenbasis ein Alarm ausgerufen wird, müsste man das an dem Heulen der Sirenen hören, müsste man das an den entsprechenden Befehlen, Kommandos, durcheinander laufenden Soldaten, und und und, man müsste es irgendwie spüren, selbst wenn man unbeteiligter Zivilist im Wartezimmer des Kommandanten ist. Mr. Wibel der berichtet uns aber von nichts Anderem als davon wie jeder andere von uns auch den 11. September erlebt hat.

Analog auch 2008 in der Strafanzeige. Ausführlich außerdem Bröckers/Hauß, “Fakten, Fälschungen, …” S. 112f.:

Bekanntlich begannen weltweit und auch vor Ort alle Radio-und Fernsehsender bald nach dem ersten Einschlag ihr Programm zu ändern, ABC zum Beispiel sieben Minuten danach, um 8.52 Uhr. Den zweiten Einschlag konnte man dann „live“ sehen. Diese Zeit erlebte der Direktor der örtlichen Schule von Otis, William Wibel, so:
„Wibel war gerade dabei, sich auf eine Zusammenkunft mit Militärkommandeuren vorzubereiten, als er erstmals vom ersten Crash ins World Trade Center hörte. Die Zusammenkunft wurde plötzlich abgesagt. ›Als ich wegfuhr und dabei die Nachrichten im Radio hörte, bereitete sich das 102. Geschwader gerade auf den Alarmstart vor‹, sagte Wibel, der vier weitere Jets starten hören konnte, wie er später am Tag aussagte.“
Mit ein wenig Fantasie dürfen wir uns vorstellen, wie William Wibel im noch leeren Besprechungszimmer saß und seinen Folienvortrag für das um 9.00 Uhr angesetzte Treffen durchging und wie er auf einmal laute Entsetzensschreie im Flur und in den Nebenräumen hörte, wo Radio gehört wurde. Das ist uns zwar so nicht überliefert, lässt sich aber seiner Aussage zwanglos hinzudenken. Dann, erst dann wurde (wenn auch abrupt) das Meeting gestrichen. Anschließend setzte er sich in sein Auto und fuhr weg, und erst jetzt – also nach 9.00, möglicherweise auch erst gegen 9.30 Uhr – hörte er den Fliegeralarm, die Starthektik. Von irgendwelchen Alarmsirenen, die um 8.38 Uhr beim angeblichen Alarm auf Otis losgeheult hätten, hat er nichts erzählt. Und auch nichts davon, dass die F-15 „schon“ um 8.52 Uhr gestartet wären.
William Wibel ist deshalb ein unbestechlicher Zeuge, weil er seine klare Aussage über die Abfolge der Ereignisse schon am 11. September machte und sie tags darauf in der Cape Cod Times stand. Einen Tag, bevor das NORAD die Starts der F-15 erfand.

Die entsprechende Passage aus dem Wibel-Artikel im Original:

Wibel was preparing for a meeting with military commanders when he first heard about the first World Trade Center crash. That meeting was abruptly canceled. “As I drove away, and was listening to the news on the radio, the 102nd was scrambling into duty,” said Wibel, who could hear four more jets launching as he spoke later in the day.

Das Argument von Bröckers/Hauß hat demnach drei Teile:
1. Wibel erzählte nichts von Alarmsirenen um 08:38 EDT oder sonstigen Startvorbereitungen wie hektisch herumlaufenden Soldaten.
Einwand: Es liegt abermals eine Verwechslung von „evidence of absence“ und „absence of evidence“ vor: Nirgendwo aus dem Wibel-Artikel geht hervor, ob Wibel um 8:38 überhaupt schon auf der Otis ANGB war.
2. Irgendwie soll auch der Augenzeuge Thompson den späten Otis-Start unterstützen helfen.
Eindwand: Dessen Angaben unterscheiden sich jedoch selbst nach der Bröckers/Hauß-Auslegung um eine ganze Stunde (zw. 9:00 und 9:30 Uhr (Wibel); zw. 10:00 und 10:30 Uhr (Thompson)).
3. Es wäre nicht genug Zeit zwischen den ersten Nachrichten über den WTC-crash und Wibels Augenzeugenbericht über das „scrambling into duty“ der Abfangjäger.
Einwand: Bröckers/Hauß rücken beide Fixpunkte näher aneinander als nötig. Sie suchen sich als Fixpunkt für die Live-Übertragung ABC News heraus.

Good Morning America is interrupted at 8:51am as Diane Sawyer announces an explosion at the World Trade Center.

Die erste Liveübertragung kam jedoch von CNN und begann um 8:48 Uhr, vgl. die CNN-Live-Berichterstattung mit Uhr (Transkript).
Außerdem übersetzen sie den Ausdruck „scrambling into duty“ mit „auf den Alarmstart vorbereiten“. Was Wibel mit diesem idiolektischen Ausdruck genau meinte, ist aber unklar und kann sich auch auf den Alarmstart selbst beziehen.
Für die Zeit bis zum Otis-Scramble blieben in diesem Fall 4-5 Minuten, in denen der Augenzeuge Wibel von dem crash erfahren haben, das meeting gecancelt, zum Auto gelaufen und losgefahren sein muss/kann. Eine straffe timeline, aber theoretisch möglich.
Zwei weitere Probleme sind jedoch weitaus fundamentaler:
Erstens, es handelt sich um einen Augenzeugenbericht, der von Radardaten und ATC-Funkverkehr ausgestochen wird.
Zweitens, die Hälfte des Narrativs wird vom Reporter wiedergegeben, nicht von Wibel selbst.
Ein kleinkarierter Einwand? Nicht, wenn man William Wibel selbst glauben darf:

Hi,
Here is my best recollection. I was driving to the meeting when I heard over a New York City radio station of the incident. At that moment, I called my wife and told her to turn on her TV and I simultaneously held up my cell phone for her to hear the jets leaving the base. I witnessed them taking off. This occured prior to the 9:00 scheduled meeting. I want to say that the jets scrambled and were airborn prior to 9:00, perhaps by 8:55 or so.
I hope this is helpful. The meeting was cancelled after the jets left the base.
(E-Mail von William Wibel an den Autor der Webseite am 02.11.09, Publikation gestattet)

Der instrumentalisierte Kronzeuge stellt damit die Bröckers/Hauß-Konstruktion („nach 9.00, möglicherweise auch erst gegen 9.30 Uhr“) auf den Kopf und bestätigt unmissverständlich die „offizielle Version“ – seine eigene Schätzung zum Start der Jäger unterscheidet sich um nur drei Minuten vom tatsächlichen Start. Zudem erklärt Wibels Stellungnahme, warum er keine Sirene um 8:38 Uhr gehört hat bzw. von einer solchen nicht berichtete: Er war noch unterwegs zur Otis AFB.
Ein erdrückender Beweis? Nicht wirklich.

Literatur

Bröckers, Mathias/Hauß, Andreas: Fakten, Fälschungen und die unterdrückten Beweise des 11.9. Frankfurt a.M.: Zweitausendeins 2003

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