9/11 Kommission ohne Beweise – Hauß

In der Strafanzeige von 2008 findet sich einer von Andreas Haußens vielen bunten Sträußen an Forderungen unter der Überschrift „Weitere Beweise, die zur Verfügung stehen müßten, öffentlich jedoch nicht  verfügbar  sind und waren“.

4 CVR (Cockpit Voice Recorder) der vier Flugzeuge
4 ADR (Automatic data Recorder) der vier Flugzeuge
5 Flugschreiber der angeblich aufgestiegenen Abfangjäger
2 Flugschreiber der C-130 Hercules , die angeblich zwei Tatorte nahezu zur Tatzeit überflog
Radaraufzeichnungen der beteiligten ARTCCs Boston Center, Cleveland, Indianapolis, Ronkonkoma, Leeburg, ersatzweise die der Flughäfen  im betreffenden Gebiet,  namentlich des Reagan Airports in Washington, aber auch die von Hunderten anderer Airports
Dienstpläne  auf Andrews AFB, Otis ANG, Langley ANG. samt  Wartungsplänen  der  vorhandenen Abfangjäger und Tankprotokolle dieser  Luftwaffenbasen
Videoaufzeichnungen der Sicherheitskameras auf diesen Basen, Radaraufzeichnungen usw.
8 Flugschreiber der sog. Doomsday-Maschinen samt Flugplänen und Startbefehl
Zeugenaussagen der beteiligten Fluglotsen sowie der Kollegen aus derselben Schicht mitsamt der Aussagen der Vorgesetzten der ARTCCs, ersatzweise oder ergänzend die der  Flugplatz-ATCs.

Ein kurzer Durchgang.
(i) Einige Forderungen sind veraltet, da ihnen begegnet wurde:

Radaraufzeichnungen [...] Zeugenaussagen der beteiligten Fluglotsen sowie der Kollegen aus derselben Schicht mitsamt der Aussagen der Vorgesetzten der ARTCCs [...] Dienstpläne  auf Andrews AFB, Otis ANG, Langley ANG

(ii) Andere beruhen teilweise auf falschen Prämissen:

4 CVR (Cockpit Voice Recorder) der vier Flugzeuge

Es wurden lediglich zwei der vier CVR geborgen und nur einer der zwei war auswertbar. Dieses eine Set an CVR-Audio-Daten ist in begrenztem Umfang der Öffentlichkeit (nämlich Untersuchungsorganen, dem Gericht im Moussaoui-Prozess und den Angehörigen der Opfer) und in Form eines Transkripts der ganzen Welt zugänglich. Eine Veröffentlichung darüber hinaus ist nicht nur fragwürdig, weil sich mehrere Opferangehörige dagegen ausgesprochen haben, sondern auch, weil sie seit 2003 nur noch in Ausnahmefällen legal ist (Details).

4 ADR (Automatic data Recorder) der vier Flugzeuge

Es wurden lediglich zwei der vier FDR geborgen, beide Datensätze sind seit 2007 aufgrund von FOIA-Anfragen veröffentlicht.

8 Flugschreiber der sog. Doomsday-Maschinen samt Flugplänen und Startbefehl

Es sind lediglich zwei Doomsday-Maschinen beobachtet worden (Venus 77 und Word 31) und in den Radardaten enthalten. Die Daten der beiden Doomsday-Maschinen sind unveröffentlicht, der Beweis ihrer Relevanz allerdings steht auch noch aus. Hintergrund der Forderung von Hauß ist nämlich die aus dem Dunstkreis der Fernsteuerungstheoretiker stammende Vermutung, die Doomsday-Maschinen hätten die vier 9/11-Flüge begleitet – eine Vermutung, die längst durch Radar- und ATC-Daten ausgeräumt ist.

(iii) Der Rest

Videoaufzeichnungen der Sicherheitskameras auf diesen Basen [...] 5 Flugschreiber der angeblich aufgestiegenen Abfangjäger [...] 2 Flugschreiber der C-130 Hercules

zeigt im Jahr 2010 besonders eins: Das Einforderungsverfahren ist beliebig fortführbar, sofern das Leugnungsinteresse nur groß genug ist.
- Mehr Zeugen werden verlangt. Treten mehr Zeugen auf, sind es Lügner.
- ATC-Aufnahmen werden verlangt. Liegen sie vor, sind es zu wenige. Sind es hunderte Stunden, sind sie nicht beweisträchtig und/oder Fälschungen.
- Radardaten der Jäger werden verlangt. Liegen sie vor, wird auf Videos der Basen umgeschwenkt.
Usf.
Sowohl zu den Doomsday-Maschinen als auch zu den Abfangjägern als auch zu der C-130H liegen Radardaten und der Funkverkehr mit den beteiligten Fluglotsen vor. Wer immer neue Beweise verlangt ohne den vorliegenden mit konstruktiven Einwänden zu begegnen, macht sich unglaubwürdig.
Die Ausführungen Haußens gipfeln in der folgenden ignoranten Behauptung (meine Herv.):

Soweit nur  eine angedeutete Übersicht der  vorerst vordringlichen Beweismittel allein zum engeren Untersuchungsgegenstand. Da all diese Informationen nie  angefordert, veröffentlicht und ausgewertet wurden, auch nicht von der sog. 9/11 Untersuchungskommission, ist es denkbar, dass das Material die  Kapazitäten der Staatsanwaltschaft Offenburg übersteigt.

Der „sog. 9/11-Untersuchungskommission“ lagen ab 2003 u.a. Radardaten, Dienstpläne, Pläne für das Übungsgeschehen auf den Basen, hunderte Stunden Audioaufnahmen der FAA und des NORAD, Logs der FAA und des NORAD, FDR- und CVR-Daten vor, zudem wurden sowohl auf militärischer als auch ziviler Seite jeweils dutzende Beteiligte befragt. ATC-Aufnahmen, Radardaten und Zeugen wurden noch 2001 in mehreren Reporten von der Federal Aviation Administration (FAA) selbst ausgewertet, beliebig viele dieser Daten lagen außerdem dem FBI vor. ATC-Aufnahmen, FDR- und CVR-Daten sowie Radardaten wurden bereits in den Jahren 2001/02 durch das National Transportation Safety Board (NTSB) ausgewertet. Es wurden auch von Privatpersonen Bücher geschrieben, die auf Teilen dieser Informationen beruhen, bspw. auf den Radardaten (Gaffney: The 9/11 Mystery Plane) oder Interviews mit dutzenden Zeugen (Freni: Ground Stop; Filson: Air War Over America; Spencer: Touching History). All das geschah, bevor Andreas Hauß seine Strafanzeige einreichte.
Hauß, der nicht nur eine Veröffentlichung, sondern sogar die Anforderung und Auswertung dieser Daten duch irgendwen leugnet, sind offenbar sämtliche dieser Informationen noch 2008 unbekannt.
Besonders pikant ist die „Forderungs“-Liste von Andreas Hauß durch den folgenden einleitenden Satz:

Der  auch  jetzt andauernden Beweisvernichtung in den USA  hält die Bewegung der Skeptiker ein umfangreiches Archiv an Dokumenten entgegen. Wesentliche davon sind  dieser Anzeige beigefügt – siehe Anlage -.

Welche „Dokumente“ liefert Hauß? Bis auf eine Handvoll Ausnahmen wie ein FAA-Regularium durchgängig Medienberichte (MSNBC, USA Today, SPIEGEL, Boston Globe, Vanity Fair, Cape Cod, New York Times, Raw Story, Channel 4, Nashua Telegraph) und obendrauf ein paar Internetauftritte Gleichgesinnter (911blogger, 911review, ZERO).
Wer selbst lediglich aus zweiter (oder dritter oder vierter oder …) Hand seine Informationen zusammensucht, muss sich freilich nicht wundern, dass ihm am Ende echte Beweise fehlen.

Literatur

Filson, Leslie: Air War over America. Sept. 11 alters Face of Air Defense Mission. Tyndall AFB 2003

Freni, Pamela: Ground Stop. An Inside Look at the Federal Aviation Administration on September 11, 2001. New York: iUniverse 2003

Gaffney, Mark H.: The 9/11 Mystery Plane and the Vanishing of America. Walterville: Trine Day LLC 2008

Spencer, Lynn: Touching History. The Untold Drama that Unfolded in the Skies over America on 9/11. New York u.a.: Free Press 2008

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