Der ungeklärte Otis-Scramble

Whiskey 105 (W105) ist ein militärisches Trainingsgelände bei Long Island südlich des JFK in New York City. Dorthin wurden um 08:54 EDT die Abfangjäger von der Otis ANGB geleitet, die ursprünglich auf den Flug AA 11 angesetzt waren.
NEADS-Tapes, MCC Op, ch. 2, 08:53:11 EDT (meine Hervorh.):

Nasypany: Possible news that a 737 just hit the world Trade Center. This is a real world. And we’re trying to confirm this. And we’re trying to confirm this. Okay. Continue taking the fighters down to the New York City area, JFK area as best as you can. Make sure that the FAA clears you a route all the way through. This is what we got to do. Okay. Just press with us. It looks like somebody — it looks like this guy could have hit the world Trade Center. We want to get him heading in that direction. Help us out. All right, thanks.
Fox: Until it’s confirmed, it’s going to be a lot easier for me to get down to this area, bring `em out like this rather than through all this traffic. Until that’s confirmed do you want me to bring him down this way at least.
Nasypany: Yeah, work with FAA. Just tell them to clear you a route. Clear you a route.

MCC Op, ch. 2, 08:54:46 EDT (meine Hervorh.):

Fox: Okay, good. All right. Our last actual reported position if he didn’t crash into the world Trade Center was 20 miles South of JFK.
Nasypany: Okay. Our last z-point. So I want you to, take him down into this area. Put them in hold as needed. Whatever altitude they need to go for Center to make that work is fine with me. But — well, that’s the area I want `em to go and hold. That last z-point, making sure FAA clears out a route.
Fox: All right. This is what we’re doing, we’re taking them down into this area.
Background: Whiskey 105.
Fox: Then hold for now.
Nasypany: Right.
Fox: Whatever altitude Center needs for them to do that is fine.

Das Ergebnis des Manövers ist eine Schleife unterhalb von Manhattan:

Die Schleife spielt eine Rolle bei der Erklärung, warum die F-15 aus Otis erst um 09:25 über Manhattan auftauchten. Das macht sie für Gegner der „offiziellen Version“ suspekt.

Andreas Hauß

Ein Vertreter der ersten Generation leugnet die Schleife.

Man habe sie über See kreisen lassen, lautet nun die neue Version. Warum nicht nach Washington geschickt? Und so geht es weiter und weiter mit Verschieben von Zeiten, Orten, Verantwortung.

(2006; hier ist übrigens die 2006 angeblich „neue Version“ bereits im Jahr 2002 nachzulesen)

Was die ZDFler nicht daran hindert,  per Bild den angeblichen ziellosen  Flug ins Nirwana des Meeres zu “dokumentieren” – als ob das ZDF mittenmang dabei gewesen wäre und diese Sequenz der zwei Jäger hätte filmen können. (2007)

Sie seien aufs Meer hinaus geschickt worden – dafür fehlt jedoch Sinn und Beweis.(2008)

Zusammengenommen: Beide Jägerstaffeln, sowohl die Otis-, als auch die Langley-Jets, wurden offenbar kurz vor den jeweiligen Einschlägen in New York und Washington durch Unbekannte von ihren Zielen weggelotst.” Quatsch. Schreyer hat keinen Beweis, dass da überhaupt irgendwelche Abfangjäger unterwegs waren. (2011)

Die Story von den zwar gestarteten, dan aber falsch(aufs Meer hinus ) geleiteten Abfangjägern ist die bushistische behauptung, die noch immer ohne jeden beleg geblieben ist. (2012)

Nicht korrekt. Der Beleg liegt in Form von Radardaten und Funkverkehraufnahmen nun bereits seit Jahren vor und wird von Hauß in gewohnter Manier (Bsp., Bsp.) zur Fälschung erklärt:

Quellenkritik, Quellenkritik, Quellenkritik: das macht anscheinend noch immer den unterschied zwischen Historiker und Journalisten aus. Gefälschte Quellen gehören in den Müll und sind nicht Basis von  so oder so ausgerichteter Analyse, Filmchen unnd Artikeln. (2012)

Paul Schreyer

Der Journalist Paul Schreyer leugnet nicht die Existenz der Schleife, hält sie jedoch für ein Mysterium (meine Hervorh.):

Allerdings wurden beide während der Anschläge startenden Abfangjägerstaffeln in den entscheidenden Minuten in die falsche Richtung gelotst. Von wem und weshalb, ist bislang ungeklärt. (911facts, Fakt 3)

Die Otis-Jets etwa flogen nicht in direkter Linie nach New York, sondern stattdessen eine große Schleife über dem Ozean, ein sogenanntes “Holding Pattern”. Bis heute kann niemand klar sagen, wer die Anweisung dazu gegeben hat. (Telepolis)

Auch die Begründung für diese Behauptung findet sich bei Schreyer:

Die Tonbänder, auf denen die Kommunikation zwischen Kampfpiloten und Leitstelle während der Flüge aufgezeichnet wird, waren nach 9/11 gelöscht bzw. verschwunden. (911facts, Fakt 3)

Die entsprechenden Tonkanäle des Funkverkehrs mit den Piloten wurden gelöscht, wie die “9/11- Commission” einräumen musste. (Telepolis)

So the detailed surroundings of the first air defense mission on 9/11 remain under a veil of „no information available“.(im Journal of 9/11 Studies, S. 6)

Keine Tonbänder – keine Erklärung. Das klingt auf den ersten Blick logisch, ist allerdings falsch.
Schreyer beruft sich in seiner Löschungsbehauptung explizit auf Miles Kara.

Interessanterweise räumte Miles Kara, offizielles Stabsmitglied der 9/11 Commission für den Komplex Luftabwehr, im Jahr 2010 ein, dass es keinerlei Primärquellen dafür gäbe, warum und auf wessen Befehl hin die Jets die Warteschleife begannen und vier Minuten später wieder beendeten. Die entsprechenden Tonspuren auf den Tapes, die die Kommunikation zwischen NEADS und den Kampfpiloten festhalten, waren nach 9/11 nämlich leer.

Bei Kara indes steht genau das Gegenteil dessen, was Schreyer folgert: „The Otis scramble; a puzzling event, explained“. Daraus wird bei Schreyer: „Von wem und weshalb, ist bislang ungeklärt.“
Die Auflösung der differierenden Rechercheergebnisse ist banal. Kara greift schlicht auf andere Aufnahmen zurück (meine Hervorh.):

In a previous article, I established that the audio channels at NEADS for the Otis flight military controllers were not recorded the morning of 9-11. However, one of the controller voices, most likely the WD/T, was recorded at FAA’s Boston Center (ZBW), Cape Sector, during the time the fighters were vectored to Whiskey 105.
Even with limited primary source information for the NEADS controllers, we have enough other primary source information–NEADS tapes, FAA air traffic control tapes, radar–to explain what happened.

Im Klartext: Eine Mannigfaltigkeit an Primärdaten zeigt, wie es dazu kam, dass die Otis-Flieger nicht direkt nach NYC flogen. Federführend bei der Entscheidung ist Maj. Kevin Nasypany, vgl. NEADS-Tapes, ch. 2, MCC Op, 08:53:40 EDT:

Nasypany: If he [A 11] didn’t crash into the world trade center he is 20 miles south of JFK, so I want you to take them down into this area [Whiskey 105], hold as needed [ = holding pattern].

Die mäandrierenden Entscheidungsprozesse und die beeinflussenden Faktoren werden bei Miles Kara anhand der Primärdaten ausführlich dargestellt – exakt in dem Artikel, auf den Schreyer wiederholt Bezug nimmt. Eine Kernpassage aus dem Artikel:

The FAA transcript for Boston ARTCC Cape Sector, Sector 18, Radar position, is definitive on what happened. The transcript shows that FAA, NEADS, Giantkiller, and Panta 45 worked together to vector the fighters, first on a heading of 260 vice the scramble heading of 290, and then a direct heading of 250 to Whiskey 105.

Die absurde Referenzkette Kara-Schreyer zeigt exemplarisch die Folgen des Tunnelblicks, der die Jagd nach „Anomalien“ begleitet: Man übersieht ihre Antworten. Der Forderung nach einer Erklärung der Otis-Schleife war bereits begegnet worden bevor Schreyer sie stellte.
In den Worten von Miles Kara:

I wrote a comprehensive article about the Otis scramble. The authors of the anomalies article and video have clearly read that article but have chosen snippets of information which appear, out of context, to support their speculations. Discerning readers will have no trouble sorting fact from fiction when they read my article.

Eine offene Frage

Eine offene Frage – für Verzögerungsvorwürfe schwer verwertbar – taucht bei Schreyer nur beiläufig auf. Kara zufolge ist nicht ungeklärt, warum die Otis-F-15 erst zum Trainingsgelände Whiskey 105 flogen, jedoch, warum sie es um 09.13 EDT wieder in Richtung NYC verließen. Für diese Entscheidung liegt Kara zufolge kein Primärdatenmaterial vor.

We cannot, however, explain why the Otis fighters ended up over New York City. (Otis scramble explained)

There is no primary source information that tells us how and why the Otis fighters established a combat air patrol over New York City […]. (NEADS Audio Files)

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