Ein Kommandant des NEADS

Colonel Robert Marr war am 11.09.2001 der verantwortliche Befehlshaber für NEADS. Auf seine Entscheidung geht u.a. der Start der Abfangjäger von der Otis ANGB und der Langley AFB zurück. Einige seiner (vermeintlichen) Entscheidungen unterliegen der Kritik seitens Gegnern der “offiziellen Version”, insbesondere der Kritik des Journalisten Paul Schreyer, die hier im Detail bewertet werden soll.

- Keine Weiterleitung der Abschusserlaubnis

- Rücksprache mit Gen. Arnold beim Otis-Scramble

- Battle Stations für die Langley AFB

- Der Einsatz des SOF der Langley AFB

- Die Bewaffnung der Syracuse-Jäger

Die Kritik Schreyers muss in vielen Punkten zurückgewiesen werden.
1. Es ist korrekt, dass Marr die Abschusserlaubnis zunächst nicht an die Piloten weitergab. Dies änderte jedoch nichts am Hergang der Attentate, da die Erlaubnis (entgegen der Auffassung Schreyers) erst nach dem Ende der Attacken erteilt wurde. Die NEADS-Tapes halten den Zeitpunkt fest. Der Verzögerungsvorwurf zielt hier also ins Leere.
2. Es ist korrekt, dass Marr vor dem Otis-scramble zunächst Rücksprache mit seinem Vorgesetzten Larry Arnold hielt. Hintergrund ist die Umkehrung der Befehlskette durch den Anruf des ZBW bei NEADS. Die entsprechenden Regularien, die die Kommunikation zw. FAA und NORAD im Allgemeinen sowie ZBW und NEADS im Speziellen regeln, sind einsehbar und zeigen (entgegen der Auffassung Schreyers) die rechtliche Grauzone, in der Marr sich bewegen musste. Die Rückversicherung ist dadurch erklärbar und kann Marr schwerlich zum Vorwurf gemacht werden. Der Verzögerungsvorwurf ist unangebracht.
3. Es ist korrekt, dass Marr die Abfangjäger der Langley AFB zunächst nur in Alarmbereitschaft versetzte und nicht gleich lossendete. Zu diesem Zeitpunkt gab es kein Ziel, das sie hätten anfliegen können. Die Idee, eine Barriere vor Washington, D.C. zu errichten, kam (entgegen der Auffassung Schreyers) erst später angesichts eines konkreten Bedrohungsszenarios auf – abermals geben hier die NEADS-Tapes Aufschluss. Der Verzögerungsvorwurf ist unangebracht.
4. Es ist nicht korrekt, dass Marr den Supervisor of Flying der Langley AFB in die Luft kommandierte. Der entsprechende Anruf kam ausweislich der NEADS-Tapes (und entgegen der Auffassung Schreyers) nicht aus Marrs Battle Cab, sondern von James Anderson aus dem Operations Floor. Das Abheben des SOF wird in diesem Moment von den beteiligten Akteuren offenbar nicht als Problem angesehen. Die Entscheidung ist jedoch im Rückblick durchaus streitbar.
5. Es ist nicht korrekt, dass Marr den Aufstieg der Abfangjäger der Syracuse AFB durch überzogene Bewaffnungsanforderungen verzögerte. Die Flieger stiegen (entgegen der Auffassung Schreyers) rasch und leichtbewaffnet auf – auch hier sind die NEADS-Tapes einschlägig. Der Aufstieg zusätzlicher schwerbewaffneter Abfangjäger fand wenn überhaupt, dann lange nach Ende der Attacken statt.

In den meisten Fällen kommt Schreyer also zu Fehleinschätzungen, weil er die Primärdaten, insbesondere die NEADS-Tapes, nur unvollständig zur Kenntnis genommen hat und sich stattdessen zu sehr auf Sekundärquellen wie Meinungen und Erinnerungen verlässt. Von Schreyers Kritikpunkten ist m.E. nur ein einziger tragfähig, auch wenn er vermutlich nicht an Marr adressiert werden kann: Die Entscheidung, den SOF der Langley AFB mit in einen Abfangjäger zu setzen.

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

*

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>