Real world vs. real world exercise

Die Debatte um Vigilant Guardian

Zum Effekt der sog. wargames auf die Reaktion der Flugabwehr 9/11 sind vielfältige Spekulationen zur Diskussion gestellt worden. Über den technischen Arm von Vigilant Guardian 9/11 kursiert unter Gegnern der „offiziellen Version“ die Behauptung, simulierte Radarsignale hätten die Radartechniker bei NEADS und FAA verwirrt. Zum personellen Arm von Vigilant Guardian 9/11 wird behauptet, die involvierten Personen hätten Übung und Realität nicht auseinanderhalten können. Im Ergebnis sei die Luftabwehr durch die entstehende Verwirrung verzögert worden.
Ihren bekanntesten Vertreter erhielt diese Argumentation im Jahr 2004 mit Michael Ruppert (Crossing the Rubicon, S. 333ff.), im deutschsprachigen Raum gab u.a. Christian Walther bereits ein Jahr zuvor Anstöße (119 Fragen, S. 58). Ebenso wie die Mineta-timeline, die Reaktion der Andrews AFB und die Rolle der E4B handelt es sich um einen Dauerbrenner, der seitdem in unzähligen Büchern, Videos und Webseiten gegen die „offizielle Version“ ins Feld geführt wird.
Protagonisten der Gegenwart, die für eine Verwechslung von Übung und Realität argumentieren, sind u.a. Paul Schreyer (Inside 9/11, S. 28ff.), Mathias Bröckers/Christian Walther (11.9. – 10 Jahre danach, S. 152ff.), Elias Davidsson (Hijacking America´s Mind, S. 287ff.) und Massimo Mazzucco (September 11- The New Pearl Harbor, DVD 1, Part 1, min22:00).

Sämtliche dieser Protagonisten beziehen sich hierbei auf die NORAD-Tapes, in deren Verlauf verschiedentlich auf das Übungsgeschehen Bezug genommen wird. Die Blitzartigkeit der Referenzen, oftmals mit wenig Kontext, ermöglicht Interpretationen in verschiedene Richtungen. Eine maximal auf Verwechslung gebürstete Interpretation des relevanten Funkverkehrs bietet beispielhaft Matthew „Shoestring“ Everett hier.
Das Ergebnis:

Evidence indicates that the personnel, whose responsibilities included ordering fighter jets into the air to intercept the hijacked planes, were unclear about what was “real-world” and what was “exercise.” They may have been led to believe that the terrorist attacks were just simulated scenarios.

Die „Gegensicht“ – mit demselben Ausgangsmaterial – findet sich bei Miles Kara, Mitarbeiter der 9/11 Kommission hier.
Karas Ergebnis:

Based on the primary source information of the day, the voices of NEADS personnel at work, there was no exercise-related activity that interfered with the real world air defense mission.

Es ist ein unverständlich erscheinender Dissens, der verschiedene Gründe hat – das unzureichende Quellenmaterial auf der einen Seite, aber auch einen  Tunnelblick-Effekt, der viele der festgefahrenen Debatten prägt und in dem Informationsfetzen auf geradezu absurde Interpretationsspitzen getrieben werden, auf er anderen. Die Entdeckung der “real world exercise” ist eine dieser Spitzen.

Die „real world exercise“

Zum Verlauf von Vigilant Guardian vor und an 9/11 habe ich hier einige Daten zusammengetragen. Der Behauptung, das NEADS-Personal habe Übung und Realität verwechselt, stehen zwei Befunde gegenüber

1. Das Verhalten der beteiligten Akteure entspricht nicht dem Übungsverhalten.

Der Schiedsrichter, der ein Handspiel nicht pfeift; die Ärztin, die das gesunde linke statt das geprellte rechte Bein schient; der Leutnant, der eine meldepflichtige Flugzeugentführung nicht meldet – es gibt einfache behavioristische Indikatoren für einen Irrtum. Anhand der Reaktionskette, die er erste Anruf von Joseph Cooper (ZBW) in Gang setzt, ist unmissverständlich ersichtlich, dass alle beteiligten Schlüsselpersonen erkennen, dass es sich um eine reale Flugzeugentführung handelt und nicht um einen Teil der Übung.

Nach wenigen Minuten wird um 08:46 EDT auf Anweisung von MCC Kevin Nasypany die Otis ANGB in Alarmbereitschaft versetzt – nicht die Simulationszelle, sondern die reale Otis ANGB.
Um 08:52 EDT heben die Otis-Flieger unter Kontrolle des Weapons Director James Fox ab – keine simulierten Radarpunkte, sondern echte Abfangjäger, die für den QRA-Betrieb dort vollbewaffnet stationiert sind und niemals an einer Übung teilnehmen dürften.
In den Fliegern sitzen die Piloten Daniel Nash und Timothy Duffy – echte Piloten mit realen QRA-Aufgaben, keine gespielten Stimmen aus der Sim Cell.
Während all dieses Prozederes finden weitere Telefonate zwischen NEADS und der FAA statt: Shelley Watson telefoniert mit Colin Scoggins (ZBW), Dawne Deskins telefoniert mit Joseph Cooper (ZBW), Shelley Watson telefoniert mit Sharon Majeski (ZNY) – echte Telefonate, keine Anrufe in der Sim Cell (die entsprechend – soweit aufgezeichnet – auch in den Tapes der FAA zu finden sind).
Von den beteiligten Schlüsselakteuren wird AA 11 also als ein echter, nicht-simulierter Entführungsfall behandelt. Es findet keine Verwechslung mit einer Übung statt. Allein das Verhalten der Beteiligten zeigt dies. Der komplette weitere Handlungsverlauf findet im real-world-Modus statt: Kontakte mit anderen zivilen und militärischen Einrichtungen, Mobilisierung weiterer Abfangjäger, Organisation von Tankerunterstützung, Aktivierung von Radarstationen etc.
Der Unterschied sticht besonders hervor, wenn man die Handlungen von 9/11 mit den Handlungen der Vortage vergleicht, wo keine echten Radarstationen aktiviert werden, wo alle Anrufe an die „FAA“ in die Sim Cell gehen (vice versa), alle Anrufe bei der USAF in die Sim Cell gehen (vice versa) etc.

Gegner der „offiziellen Version“ haben diesem Befund, der sich aus der Kombination von Tapes und Radardaten ergibt, nichts entgegenzusetzen. Sie scannen die Transkripte der NEADS-Tapes ausschließlich nach „exercise“-Erwähnungen und ignorieren den kompletten Handlungskontext.
Personen wie Larry Arnold, Robert Marr und Kevin Nasypany werden mit der Einlassung zitiert, sie glaubten bei der ersten Meldung über AA 11, sie wäre Teil der Übung. Die wichtige Einschränkung: Bei der ersten Meldung. Das Handeln all dieser Person zeigt, dass die erste Annahme innerhalb von Sekunden korrigiert wurde.
Selbst einem Protagonisten wie Kevin Nasypany, der als MCC federführend bei allen real-world-Entscheidungen ist und der mehrfach darauf hinweist, dass es sich um real-world-Geschehnisse handele, wird um 09:00 EDT, als er seine erste Reaktion auf die AA-11-Meldung (er glaubte, es handele sich um einen Teil der Übung) nochmal rekapituliert, unterstellt „[he] was openly suggesting that actual events were part of the exercise“ (Shoestring). Aus den Myriaden an Befehlen, Nachfragen und Rücksprachen des auf den Tapes nahezu ununterbrochen sprechenden Nasypanys wird ausgerechnet die einzige, für den Handlungsverlauf völlig bedeutungslose „exercise“-Referenz zitiert. Dasselbe gilt für andere Protagonisten wie Maj. James Fox, der die Abfangjäger kontrolliert. Selbst in einem Dialog wie diesen

NEADS McCain: If this is an exercise input, this is a good one.
NEADS Nasypany: You can save this kind of bullshit.
(10:08 EDT, NEADS-Tapes, MCC TK)

der a) um stattfindet, nachdem AA 11, UA 175, AA 77 und Delta 1989 Riesenthemen bei NEADS waren, Abfangjäger durch die Luft schwirren, CNN in Dauerbetrieb läuft, und der b) von Protagonisten geführt wird, die bis dahin durch dutzende Handlungen gezeigt haben, dass sie erkannt haben, nicht in einer Übung zu sitzen (Nasypany als MCC, McCain als sein Techniker), wird die „exercise input“-Referenz nicht als der Galgenhumor verstanden, als der sie in der Situation selbst verstanden wird.

In other words, several minutes after Flight 93 crashed, and the terrorist attacks were effectively over, someone at NEADS still considered it possible that information about the attacks was part of the exercise.

Es ist unmöglich, auf Basis der sorgsam gewählten Fenster in die NEADS-Tapes, die unter Gegnern der „offiziellen Version“ kursieren, ein realistisches Bild von der Lageeinschätzung seitens NEADS zu erhalten.

2. Auf den Tapes selbst gibt es mehrfach den expliziten Hinweis, dass die Geschehnisse „real world“-Geschehnisse seien.

Der erste derartige Hinweis taucht bereits im allerersten Anruf auf, den NEADS AA 11 betreffend erhält (meine Herv.).

ZBW Joseph Cooper: Hi. Boston Center TMU. We have a problem here. We have a hijacked aircraft headed towards New York, and we need you guys to, we need someone to scramble some F-16s or something up there, help us out.
NEADS Jeremy Powell: Is this real world or exercise?
Cooper: No, this is not an exercise, not a test.
(08:37 EDT, FAA ZBW, MOS Position)

Weitere derartige „real world“-Hinweise ziehen sich durch die Aufnahmen.
Genau deshalb wird der Ausdruck „real world“ von Gegnern der „offiziellen Version“ in seiner Aussagekraft angezweifelt – mithilfe einer Interpretation, die seinen Inhalt komplett auf den Kopf stellt. Sie wurde von Everett/Shoestring aufgebracht und seitdem u.a. von woodybox, Elias Davidsson (Hijacking America´s Mind, S. 291ff.) und Kevin Ryan adaptiert.
Die Autoren sind (hauptsächlich in den MFRs der 9/11 Commission) auf vereinzelte Verwendungen des Ausdrucks „real world exercise“ gestoßen, mit denen auf eine Live-Fly-Übung, d.h. eine Übung mit realem Flugzeugeinsatz, Bezug genommen wird. In der Interpretation dieser Autoren handelt es sich bei „real world“ daher um einen terminus technicus des US-Militärs:

[W]hen NEADS personnel used the term “real-world” on September 11, they were referring to a particular event being part of the exercise. (Shoestring)

The expression “real-world” is used by the military to denote live-fly, as opposed to table-top exercises, not a “real attack”. (Davidsson, Hijacking America´s Mind, S. 295)

Although frequently misunderstood, the term “Real World” does not refer to an actual hijacking, it refers to the use of real aircraft in live-fly exercises. (Kevin Ryan)

Flight 11 was apparently viewed as a real-world exercise. (Woodybox)

Der angebliche terminus technicus existiert jedoch nicht. Der tatsächliche terminus technicus ist “Live-Fly” und der Live-Fly ist typisches Element einer Field Training Exercise (FIX/FTX). Eine Live-Fly-Übung ist das Gegenstück zu einer reinen Command Post Exercise (CPX) wie Vigilant Guardian (vgl. Military Exercises (fas.org), NORAD/NORTHCOM Exercises (globalsecurity.org)). Einige Beispiele:

Unlike Vigilant Eagle 11, Vigilant Eagle 12 did not include a live-fly element. Instead, the scenario was simulated with computers. Air Force Brig. Gen. Richard Scobee, NORAD deputy director of operations, said the command post exercise allows them to run through the complex scenarios that will be flown the following year without a risk to safety.
(NORAD, Russian Federation wrap up Vigilant Eagle 12)

Vigilant Eagle began in 2008 as a command post exercise. At Russia’s request, it now alternates between CPXs that test out principles and procedures in a computer-based setting and “live-fly” exercises that apply those principles and procedures the following year.
(DoD, Vigilant Eagle Continues Closer U.S.-Russian Cooperation)

Live-fly exercises require well coordinated weather support to ensure flight safety. The primary HQsponsored live-fly field training exercise (FTX) is AMALGAM WARRIOR. Weather support for CPXs must also be well coordinated to ensure consistent weather briefings by all weather support organizations. The primary HQ NORAD-sponsored CPX is VIGILANT OVERVIEW.
(DEPARTMENT OF THE AIR FORCE, NR15-1)

Der Ausdruck „real world“ ist dagegen im Militärgebrauch und im Englischen wie im Deutschen ebenso offen wie auch in der Alltagssprache – er kann bei hinreichender Eingrenzung auf das Übungselement eines Live-Fly bezogen werden, aber ebenso auf die reale Welt außerhalb der Übungssituation.
Entscheidens ist hier der jeweilige Gesprächskontext – in den von den genannten Autoren zitierten Beispielen (meine Herv.):

They would not do these hijacks exercises real world. They had a cell that would play the FAA in the exercise. Deskins noted that there really were not the assets to do a large scale real world exercise to practice hijack response. (Woodybox)

She said that, before 9/11, when NEADS held exercises that included simulated plane hijackings, it “would not do these hijack exercises real-world.” Instead, it “had a cell that would play the FAA in the exercise.” (Shoestring)

Deskins commented that “there really were not the assets to do a large-scale real-world exercise to practice hijack response.” (Shoestring)

Hier ist aus dem Gesprächskontext jeweils klar, dass es sich um eine Verwendung des Ausdrucks „real world“ auf ein Element innerhalb einer Übung handelt.
(Eine Bemerkung am Rande zu Beispielen:

The reader can easily verify Shoestring’s interpretation by searching for “real world exercise”, maybe narrowed down with “air force” or “military”. The output will quickly convince him that “real world exercise” is a common concept in the military world. (Woodybox)

Ich habe eine solche Verifikation versucht – vergeblich. Der Ausdruck „real world exercise“ scheint in der Militärwelt nicht wirklich gebräuchlich zu sein. Ich erhalte z.B. null Treffer auf der Webseite des NORAD, dagegen 42 Treffer für “Live Fly”, 22 Treffer für “Live Fly exercise” und 23 Treffer für “real world”, bei denen “real world” jeweils als Gegensatz zu Übung gebraucht wird (Stand: 18.11.2015).)

In anderen Beispielen hingegen ist ebenso klar, dass der Ausdruck „real world“ als Gegenstück zu einer Übung verwendet wird (meine Herv.):

The novelty of even unscheduled alert scrambles wears off, the maintenance crews and pilots admitted, but not the edge.
“Every time you come out here and read your intel report for the day – it’s a part of something bigger than your standard training,” Tymitz said.
“For the first few minutes, you’re the national response.”
“When it’s a real world mission,” King added, “and you don’t know what’s going to happen when the plane leaves – your heart races.”
(NORAD, In Raptor we Trust)

Air Force Senior Master Sgt. Kathy L. Shaffer is the superintendent of information management and personnel for the Directorate of Operations, HQ NORAD. As the executive administrator on the North American Aerospace Defense, Commander-in-Chief’s Crisis Action Team, Shaffer determined the amount of administrative personnel required to support the real-world mission Operation NOBLE EAGLE. The U. S. initiated this operation after the 9/11 terrorist attacks.
(NORAD, Annual Communication Awards Winners 2003)

Exercise VIGILANT SHIELD 15 is a yearly homeland defense exercise that provides an opportunity to exercise mission areas and train headquarters staffs, NORAD Regions, and components on assigned missions.
The exercise will be conducted in conjunction with U.S. Strategic Command’s Exercise GLOBAL THUNDER 15 and has been planned for more than a year. It is based on notional scenarios. The timing of the exercise is unrelated to any real-world events.
(NORAD, Exercise faces NORAD and USNORTHCOM on Himeland Defense)

“Regardless of the world situation right now, the job of NORAD and Northern Command is to be prepared not just today, but in the future … to defend the homeland,” Pino said.
“We want to stress our staff,” he continued.  “We want to present them with extremely challenging simultaneous events that will push them to reach breaking points.  We want to cause them (NORAD and USNORTHCOM personnel) to make mistakes, because we want to make mistakes while we’re exercising, not in the real world.”
(NORAD, NORAD and USNORTHCOM use VS-07)

Dasselbe gilt für die Verwendung 9/11:

ZBW Joseph Cooper: Hi. Boston Center TMU. We have a problem here. We have a hijacked aircraft headed towards New York, and we need you guys to, we need someone to scramble some F-16s or something up there, help us out.
NEADS Jeremy Powell: Is this real world or exercise?
Cooper: No, this is not an exercise, not a test.
(08:37 EDT, FAA ZBW, MOS Position)

NEADS staffer: This is exercise?
Nasypany: No, this is the real world.
(08:44 EDT, NEADS-Tapes, MCC Op)

Auch im Rahmen des Übungsgeschehens in den Tagen vor 9/11 wird „real world“ diverse Male als Gegensatz zu „exercise“ verwendet.

NEADS staffer: CONR, you have to call WADS [unverständlich]. Cause real world is a little more important than exercise.
(NEADS-Tapes, 08.09., 20:52 EDT, während eines Zwischenfalls mit einem kubanischen Flieger)

NEADS staffer: That page of the sector is real world and … Uh, what about, do you want exercise?
MCC: They have [unverständlich] in the Battle Cab.
NEADS staffer: The director is Colonel McNeely.
MCC: OK. He can handle the exercise stuff.
NEADS staffer: OK. So you´re here as real world commander.
MCC: Yeah.
(NEADS-Tapes, 09.09., 13:54 EDT, in einem Briefing)

Nur zum Abgleich noch einmal die Lesart der zitierten Protagonisten:

[W]hen NEADS personnel used the term “real-world” on September 11, they were referring to a particular event being part of the exercise. (Shoestring)

Ergebnis

Die Entdeckung der „real world exercise“ ist eine Luftnummer, die reale Kontexte ignoriert und falsche Kontexte herstellt. Die Schlussfolgerung von Woodybox zeigt, welches Ergebnis die Protagonisten der wortklauberischen Fingerübung für sich verbuchen:

So whenever the term “real world” is used, it indicates that NEADS personnel are believing they are confronted with a large-scale, live-fly exercise with participation of the FAA. NEADS was prepared for these exercises, but not actual, genuine hijackings. It is not known how the air defense used to label such (very rare) genuine hijackings, but it was certainly not “real world” lest to confound it with the ongoing real world exercises.

In der real world ist alles nahezu umgekehrt:
1. Wann immer bei NEADS der Ausdruck “real world” genutzt wird, wird er in Bezug auf die reale Welt außerhalb der Übung genutzt; bei den Ausnahmefällen, in denen er zur Beschreibung eines Live-Fly innerhalb einer Übung genutzt wird, klären weitere Erläuterungen darüber auf, etwa mittels des Ausdrucks “real world exercise”.
Auf den NEADS-Tapes findet sich kein einziges eindeutiges Beispiel für diese Verwendung, dagegen mehrere Beispiele, die aufgrund Wortlaut und/oder Handlungskontext diese Interpretation ausschließen und lediglich ein Beispiel, das eine solche Interpretation zumindest als eine Möglichkeit zulässt (s.u.).
2. NEADS erwartete am 11. September keinen Live-Fly. Vigilant Guardian war eine CPX, die nur auf Simulationen aufbaut.
3. Eben weil “real world” ein so weitläufiger Ausdruck ist, existiert im Militärslang der Ausdruck “Live-Fly” für das Übungselement des realen Flugzeugeinsatzes.

“Real-world hijack. Cool!”

Es gibt eine Äußerung auf den NORAD-Tapes, bei der man interpretieren kann, dass die Person zumindest momenthaft an eine Live-Fly-Übung denkt:

NEADS Shelley Watson: What was that?
NEADS Stacia Rountree: Is that real world?
NEADS Maureen Dooley: Real world hijack.
NEADS Watson: Cool! Really? Oh shit.
NEADS Rountree: Who called you?
NEADS Powell: Boston. he´s on one right now.
NEADS Watson: Boston?
NEADS Powell: Yes. [Einwählton erklingt.]
NEADS Watson: Open line.
ZBW Scoggins: [Unverständlich]
NEADS Watson: Yeah, Huntress calling in reference to the hijacked aircraft.
(08:38 EDT, NEADS-Tapes, ID Op)

Der frühe Zeitpunkt der Äußerung, die augenblickliche (und selten zitierte) Selbstkorrektur und die augenblickliche Kontaktaufnahme zur FAA machen den Ausruf allerdings wertlos für die impliziten Verzögerungsvermutungen von Gegnern der “offiziellen Version”. Selbst wenn man Watsons Ausruf als eine Verwechslung von “real world” und “real world exercise” interpretiert (eine Interpretation, die keineswegs zwingend ist), dauerte die Verwechslung nur Sekunden an.

Grundsätzlich finden sich mehrere geschmacklos erscheinende Äußerungen auf den Aufnahmen. Der abgründige Humor solcher Äußerungen („That’s it. I’m not flying with United or American [Airlines] anymore“) wird unter Gegnern der “offiziellen Version” natürlich ebenfalls als loses Indiz für die Verwechslung Übung-Realität aufgefasst, ist aber eher ein loses Indiz für die Authentizität des Geschehens – er reflektiert den Stresssabbau der beteiligten Personen, die der unfassbaren Situation Herr werden müssen.
Nur zur Weitung des Tunnelblicks sei abschließend erwähnt, dass schwarzer Humor noch deutlich weiter außen liegende Geschmacksgrenzen überschreiten kann:

04:31     Oh, yeah, look at those dead bastards.
04:36     Nice.
04:37     Two-Six; Crazyhorse One-Eight.
04:44     Nice.
04:47     Good shoot.
04:48     Thank you.

18:29     I think they just drove over a body.
18:31     Hey hey!
18:32     Yeah!
18:37    Maybe it was just a visual illusion, but it looked like it.
18:41     Well, they’re dead, so.

36:49     Firing.
36:53     There it goes! Look at that bitch go!
36:56     Patoosh!
37:03     Ah, sweet.
37:07     Need a little more room.
37:09     Nice missile.
37:11     Does it look good?
37:12     Sweet!

Ebenso geschmacklos, ebenso erklärbar und ganz gewiss – da werden auch „truther“ zustimmen – keine Verwechslung mit einer Übung.

Literatur

Bröckers, Mathias/Walther, Christian: 11.9. – zehn Jahre danach: Der Einsturz eines Lügengebäudes. Frankfurt a.M.: Westend 2011

Davidsson, Elias: Hijacking America´s Mind on 9/11. Counterfeiting Evidence. New York: Alghora Publishing 2013

Ruppert, Michael: Crossing the Rubicon. The Decline of the American Empire at the End of the Age of Oil. Gabriola Island: New Society Publishers 2004

Schreyer, Paul: Inside 9/11. Neue Fakten und Hintergründe zehn Jahre danach. Berlin: Kai Homilius Verlag 2011

Walther, Christian: 119 Fragen zum 11.9. München: Heyne 2003

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

*

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>