Radardaten der USAF

Die USAF verfügt über viele Radarstationen rund um den US-Kontinent. Von diesen Stationen werden Radarstrahlen ausgesendet, die zurückgeworfenen Echos werden gespeichert, gefiltert und an die Radarschirme der zugeordneten USAF- oder NORAD-Einrichtung gesendet. Für die genaue Rekonstruktion der Flugbahn der entführten Maschinen sind diese Daten eminent wichtig, zudem verraten sie, wann der Transponder der Flugzeuge ausgeschaltet wurde.
Die von sechs Radarstationen der USAF gespeicherten Daten wurden noch am 11. September vom 84th Radar Evaluation Squadron (RADES) der USAF ausgewertet und so die Flugbahn der vier beteiligten Maschinen rekonstruiert – so das USAF Airman Magazine, Dez. 2003.
Am 13.09.01 wurden die Daten an das FBI übergeben. Das Datenpaket enthielt sowohl die Flugbahnen der entführten Flugzeuge separat (angereichert durch mehrere ppt-Präsentationen und xls-Dateien) als auch die Radardaten aller Radarstationen im betroffenen Areal, also, grob gesagt, der Ostküste der USA.
Die Daten erreichten zudem das National Transportation Safety Board (NTSB) zur Auswertung. Das NTSB verfasste Ende 2001/Anfang 2002 mehrere Reporte auf Basis u.a. dieser Daten, vier Flight Path Studies, zwei Impact Speed Studies und eine Recorded Radar Study. Abgesehen von einem leichten Zeitunterschied decken sich die Daten mit denen der FAA (vgl. die Recorded Radar Study des NTSB sowie das NTSB-Briefing der 9/11 Kom.).
Die 9/11 Kommission griff neben den NTSB-Reporten auch auf die RADES-Daten zurück, u.a. bei der Rekonstruktion der Flugbahn der Abfangjäger.
Anders als die Daten der FAA enthalten die RADES-Daten Lücken bei AA 77 und UA 93 und mehr Störsignale, beides bedingt durch die Mission NORADs: Schlechtere Abdeckung des Landesinneren, weniger Filterung von Primärsignalen.
Durch FOIA-Anstrengungen von Privatpersonen, maßgeblich John S. Farmer (nicht zu verwechseln mit John J. Farmer, dem Senior Counsel der 9/11 Commission), der die Daten für die Arbeit an seinem Buch Zoe´s Flight. The Untold Story of American Airlines Flight 77 anforderte, wurden 2007 die Daten (identisch mit dem FBI-Paket) auch einer breiten Öffentlichkeit zugänglich und liegen im rs3-Format vor. Ein Programm zum Lesen der Daten ist in den RADES-Paketen enthalten, ist allerdings nur unter Windows XP zum Laufen zu bekommen.
Der französische Videoeditor Vincent Moreau hat 2013 die Flugbahnen der vier 9/11-Flüge und verschiedener anderer Flüge aus den Radardaten des RADES in eine Google-Earth-Datei exportiert – eine Einblick in diverse Geschehnisse am Himmel von 9/11 ist damit ohne viel technische Hürden auch für Laien möglich.

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